DIAMANT-JUBILÄUM DES BENTLEY-V8-MOTORS

CREWE, 19.11.2019

  • Bentley feiert den 60. Geburtstag des legendären V8-Motors
  • Der weltweit am längsten produzierte V8
  • Erstmals im 1959er-Bentley S2 als Ersatz des Sechszylinder-Reihenmotors verbaut
  • V8-Motor als Antrieb für bislang 23 Bentley-Modelle; noch heute Herzstück des Mulsanne
  • Doppelt turbogeladener V8 des Mulsanne Speed bietet 537 PS und ein Drehmoment von 1.100 Nm

Der V8 war bislang das Herzstück von 23 unterschiedlichen Bentley-Modellen und wurde zwischen 1959 bis heute 35.898 Mal gefertigt: ein echter Beweis für eine erfolgreiche Weiterentwicklung. Ein hochqualifizierter Spezialist benötigt für den Bau der neuesten doppelt turbogeladenen Version dieses im englischen Crewe entworfenen, konstruierten und handgefertigten Bentley 6¾-Liter-V8-Motors fünfzehn Arbeitsstunden. Auch wenn jede Komponente des ursprünglichen S2-Motors über die Jahrzehnte hinweg neu entwickelt wurde, sind doch die Grundprinzipien und Abmessungen, die den Motor während der letzten 60 Jahre definiert haben, stets dieselben geblieben.

Dr. Werner Tietz, Bentley-Vorstand für Technische Entwicklung, sagte: «Der ursprüngliche V8 war darauf ausgelegt, einen deutlichen Wandel in puncto Leistungsfähigkeit gepaart mit Geschmeidigkeit, Verlässlichkeit und Finesse einzuläuten. Der Motor wurde über Hunderttausende Kilometer unter anspruchsvollsten Bedingungen getestet, darunter auch 500 Stunden im Vollgasbereich. Der heutige Erfolg des hochgeschätzten Bentley-6¾-Liter-V8 im Mulsanne ist größtenteils diesem Selbstverständnis zu verdanken.»

Der 6¾-Liter-V8 definierte Bentleys typische «Drehmomentwoge» und bietet diese noch heute, gepaart mit entspannter Leistung, aussergewöhnlicher Finesse und Effizienz. Dieser Motor bleibt das Herzstück jedes Flaggschiff-Modells, das in den vergangenen 60 Jahren gebaut wurde.

Ursprung des Bentley-V8

Der Startschuss für die Entwicklung des ersten Bentley-V8-Motors fiel kurz nachdem das Unternehmen an seinen heutigen Stammsitz in Crewe umgezogen war. Anfang der 1950er-Jahre erhielt der leitende Motorenentwickler Jack Philips den Auftrag, eine vertrauliche Studie zu erstellen, um einen Ersatz für den Sechszylindermotor zu finden, der im Bentley Mark VI, R-Type und S1 verbaut war.

Er sollte einen Motor bauen, der mindestens 50 Prozent leistungsfähiger war als der Sechszylinder, den er irgendwann ersetzen sollte, ohne dabei zusätzlichen Platz unter der Motorhaube zu beanspruchen oder das Fahrzeuggewicht zu erhöhen. Die V-Konfiguration war daher eine naheliegende Wahl und es ist ein großer Verdienst von Philips und seinem Team, dass der Motor bereits 18 Monate nach dem Beginn des Konstruktionsprozesses lief.

Schon die ersten gefertigten Motoren wurden «eingefahren». Sie liefen auf einem Prüfstand für mehr als 500 Stunden im Vollgasbereich und legten Hunderttausende Kilometer unter realen Bedingungen zurück, um zu beweisen, dass sie eines Bentleys würdig waren. Ein Team qualifizierter Prüfer zerlegte dann die Mechanik, um sicherzustellen, dass die höchsten Standards eingehalten wurden.

Der daraus resultierende 6,2-Liter-V8-Motor war fast 14 Kilogramm leichter als das Sechszylindermodell. Er feierte seine Premiere im Bentley S2 aus dem Jahr 1959. Das Fahrzeug war mit Klimaanlage, Servolenkung, einer elektrisch betriebenen Niveauregulierung und elektrischen Fensterhebern ausgestattet – der denkbar luxuriösesten Ausstattung für ein Fahrzeug dieser Ära.

Der Anspruch: Höchstleistung

Der ursprüngliche V8-Motor musste neu entwickelt werden, um in die neuen Bentley T-Series-Fahrzeuge zu passen, die 1965 vorgestellt wurden.

Das Motorentwicklungsteam konzentrierte sich dabei auf die Verbesserung der Leistung, während die Abmessungen des Motors insgesamt reduziert wurden, damit er unter die abgesenkte Motorhaube passte.

Der Hubraum wurde 1971 auf die namensgebenden 6¾ Liter erhöht, indem der Hub von 91 mm auf 99 mm verlängert wurde, der zudem ein noch höheres Drehmoment bewirkte.

Die Einführung des Bentley Mulsanne im Jahr 1980 erforderte grössere Veränderungen des V8, darunter eine strengere Abgasregelung und die optimierte Insassensicherheit im Fall eines Frontalaufpralls. Letzteres umfasste eine faltbare Wasserpumpe, wodurch die Länge des Motors um effektiv 10,1 cm verkürzt werden konnte.

Die bedeutsamste Einzelmodifikation des Motors war die Einführung des Mulsanne Turbo. Mit dem Einbau eines einzelnen grossen Abgasturboladers wurde der 6¾-Liter-Motor zum ersten turbogeladenen Bentley-Motor seit jenen Aggregaten, die Tim Birkins Bentley Blower in den 1920er-Jahren antrieben. Kraft und Drehmoment erzielten einen deutlichen Fortschritt und der Einzelturbo wurde schliesslich durch eine Doppelturbo-Konstruktion ersetzt. Seitdem wurde die Motorkonstruktion durch Kraftstoffeinspritzung, eine variable Ventilsteuerung und die Zylinderabschaltung ergänzt.

Die Leistung wuchs langsam auf über 500 PS, während das Drehmoment die 1.000 Nm-Marke überschritt – eine Zeit lang bot der L-Series V8 mehr Drehmoment als jeder andere Automotor der Welt.

Mit der Modernisierung des Werks in Crewe nach 1998 und einer Steigerung der Fertigungszahlen wurde auch der V8 einer fortlaufenden Weiter­entwicklung unterzogen. Der Bentley Brooklands V8 aus dem Jahr 2008 beispielsweise profitierte davon ungemein. Und auch wenn zwischen den Modellen eine Entwicklungszeit von fast 50 Jahren liegt, wurzelte die Konzeption des Brooklands V8 eindeutig im Original aus dem Jahr 1959 – wobei allerdings Leistung und Drehmoment um 200 Prozent gestiegen waren.

Faszinierende Leistung – optimierte Effizienz

Das Herzstück jedes Bentley ist der Motor, der im englischen Crewe von Hand gefertigt wird. Jede Komponente des aktuellen doppelt turbogeladenen 6¾‑Liter-V8 des Mulsanne wird von einem kleinen Team spezialisierter Motorenbauer gewählt und montiert.

Die wichtigsten inneren Bauteile werden einzeln selektiert, um daraus eine präzise, ausgewogene Baugruppe zusammenzusetzen, sodass der fertige Motor eine perfekte Laufruhe aufweisen kann – eine Fähigkeit, die nur über viele Jahre hinweg erlernt werden kann. Ist der Motor fertig gebaut und gründlich getestet, wird er von einem der Bentley-Motorenspezialisten freigezeichnet. Ein Brauch, der im Bentley-Werk schon seit Jahrzehnten gepflegt wird.

Der fortschrittliche 6¾-Liter-V8 von heute verbindet immense Kraft mit einer beeindruckenden Kraftstoffeffizienz. In der fahrerorientierten Luxuslimousine Bentley Mulsanne Speed entwickelt er eine Leistung von 537 PS und ein Drehmoment von 1.100 Nm. Daraus resultiert eine Höchstgeschwindigkeit von 305 km/h und ein Beschleunigungsvermögen von 0 auf 100 km/h in 4,9 Sekunden.

Im Continental GT und in den Bentayga-Modellen setzt Bentley einen kleineren 4,0-Liter-V8-Motor ein. Dieser ebenfalls doppelt turbogeladene Motor zeichnet sich durch seinen charismatisch grollenden Auspuffklang aus und bietet 550 PS sowie ein Drehmoment von 770 Nm.