ABSCHLUSS DER ERPROBUNG DES W12-MOTORS FÜR ERSTEN KUNDEN-BACALAR

Crewe, 17.02.2021

  • Erster W12-Motor für den Bacalar absolviert Produktionstests in Bentleys Kompetenzzentrum für W12-Motoren
  • Bentleys W12-Motor ist der fortschrittlichste 12-Zylinder in der Automobilgeschichte
  • 659 PS Leistung und 900 Nm Drehmoment
  • Im Zuge der Weiterentwicklung des W12-Triebwerks seit 2003 wurden Leistung und Drehmoment um bis zu 27 bzw. um 38 Prozent gesteigert, während die Emissionen um 28 Prozent verringert wurden
  • Jeder Motor durchläuft vor dem Einbau in ein Fahrzeug drei spezifische Testprogramme
  • Seit 2002 wurden in Crewe über 100‘000 W12-Motoren in Handarbeit gebaut, die rechnerisch zusammen mehr als sechs Millionen PS leisten

(Crewe, 17. Februar 2021) – In Bentleys Kompetenzzentrum für W12-Motoren sind der Zusammenbau und die Produktionstests des 659 PS und 900 Nm leistenden Motors für den ersten Kunden-Bentley Mulliner Bacalar nun zum Abschluss gekommen.

Mit dem Bacalar leitet Bentley Mulliner die Rückkehr zum Bau individueller Karosserien ein; er verfügt über eine verbesserte Version des unvergleichlichen 6,0-Liter-W12-TSI-Motors von Bentley, des fortschrittlichsten 12-Zylinders der Welt.

Seit der Premiere des W12 mit Doppelturbolader im Jahr 2003 konnten die Leistung und das Drehmoment um bis zu 27 bzw. um 38 Prozent erhöht und die Emissionen um 28 Prozent gesenkt werden.

Erreicht wurde dies durch die Weiterentwicklung und Optimierung des Kurbelgehäuses, durch Verbesserungen im Öl- und Kühlsystem, durch den Einsatz von Twin-Scroll-Turboladern und durch effektivere Einspritz- und Verbrennungsprozesse.

Jeder W12-Motor wird in 6,5 Stunden von 45 Technikern von Hand zusammengebaut. Während der Montage durchläuft er ein ausgeklügeltes Testprogramm von über einer Stunde an drei speziellen Diagnoseanlagen.

Die Tests geben nicht nur Aufschluss über die Qualität jedes Triebwerks, sondern bieten auch mehrere Kontrollpunkte, um das genaue Verhalten der einzelnen Motoren vom Zeitpunkt der Herstellung an zu katalogisieren.

Qualitätsgarantie durch Tests

Die drei Tests, die der Motor des Bacalar bereits durchlaufen hat, sind ein Bestandteil der aussergewöhnlichen Qualitätskontrollen von Bentley.

Der erste Test, die Dichtheitsprüfung, kann durchgeführt werden, nachdem der Motor so weit zusammengebaut wurde, dass die Treibstoff-, Wasser- und Ölsysteme geschlossen werden können. Dieses Produktionsstadium wird als „short engine“ (Motorblock mit Kolben, ohne Pleuel und Kurbelwelle) bezeichnet.

Beim Dichtheitstest werden die Systeme (Treibstoff, Öl und Wasser) einzeln unter Druck gesetzt. Die verschiedenen Hohlräume werden jeweils mit einem Druck von 0,2 bis 5,0 bar beaufschlagt und anschliessend gemessen, während der Druck mit der Zeit nachlässt. Der Druckabfall im Zeitverlauf gibt Aufschluss über die Dichtheit des Motors. Fällt der Druck schneller als erwartet, weist das auf ein Leck hin. Auf das Äussere des Motors wird dann eine Flüssigkeit gesprüht, um Leckage-Wege ausfindig zu machen.

Der zweite und ausgefeilteste Test ist der Kaltlauftest. Dabei wird der Motor auf einem Prüfstand befestigt, und es werden Verbindungen zum Kabelbaum und allen Motorsystemen hergestellt. Zugleich wird ein grosser Elektromotor über die Kurbelwelle mit dem Triebwerk gekoppelt.

Durch das „Antreiben“ des Motors über die Kurbelwelle kann der Prüfstand Daten verschiedener Sensoren erfassen. Während eines 15-minütigen Zyklus werden 600 einzelne Eigenschaften und Merkmale des Motors gemessen.

Aufgrund der niedrigen Drehzahl von 120 U/min beim Test können feinere Details und Unstimmigkeiten ermittelt werden, und zwar dank einer Abtastfrequenz, die selbst ganz kurze Anomalien erkennen lässt, die unentdeckt bleiben würden, wenn der Motor zündete oder mit höherer Drehzahl liefe.

Diese feinteilige Analyse ist auch von Nutzen, um die Steuerzeiten des Motors zu überprüfen. Anhand der Positionsdaten von Sensoren an der Kurbelwelle, am Kurbelgehäuse und an den Nockenwellen sowie mithilfe der Verdichtungswerte der Zylinder lässt sich beim Kaltlauftest bestätigen, dass die Steuerzeiten des Motors korrekt sind und somit der bestmögliche Verbrennungszyklus erreicht wird.

Um zylinderspezifische Daten zu erheben, wird der Kaltlauftest durchgeführt, bevor Abgaskrümmer, Turbolader und andere Anbauteile montiert werden. Beim dritten und letzten Test, dem Heisslauftest, wird der komplette Motor nach Anbau der gerade genannten Bauteile überprüft. Dabei wird der reale Einsatz im Fahrzeug simuliert.

Vor dem Heisslauftest wird ein UV-Farbstoff in den Motor gegeben, um Lecks leichter zu erkennen. Die Kühl- und die Treibstoffanlage werden für eine abschliessende Prüfung mit Luft bzw. Stickstoff unter Druck gesetzt, bevor die erforderlichen Flüssigkeiten eingeleitet werden. Der Motor wird angekurbelt, um Öldruck aufzubauen, bevor die Zündanlage eingeschaltet wird. Anschliessend läuft er im Leerlauf, während der Motorenprüfer darauf achtet, ob der Motor eventuell unruhig läuft, und ihn mit einer UV-Lampe auf Lecks überprüft.

Jeder W12 wird dann mindestens 21,5 Minuten lang getestet und dreht hoch bis 3800 U/min bei einer maximalen Last von 300 Nm. Jedes hundertste Triebwerk wird einem vollständigen achtstündigen Leistungstest unterzogen, bei dem es bis 6000 U/min dreht und 900 Nm erreicht werden müssen.

Seit der Installation der drei Prüfstände 2002 wurden in Crewe über 100‘000 W12-Motoren in Handarbeit gefertigt und in der Testeinrichtung überprüft.

Fortschritte in der Motorentechnik

Bentleys legendärer 6,0-Liter-W12 mit Doppelturboaufladung aus dem Jahr 2002 wurde beständig weiterentwickelt und kommt in seiner neuesten Version in der gesamten aktuellen Modellpalette zum Einsatz. Durch die einzigartige W-Konfiguration ist der Motor 24 Prozent kürzer als ein vergleichbarer V12, wodurch das Triebwerk insgesamt kompakter gestaltet und der nutzbare Raum in der Fahrgastzelle vergrössert werden kann.

Die neueste Generation des W12 feierte 2016 im Bentayga ihre Premiere. Der gründlich überarbeitete Motor besitzt ein um 30 Prozent stärkeres Kurbelgehäuse als sein Vorgänger, während die Zylinderoberflächen speziell beschichtet werden, um die Reibung zu verringern und die Korrosionsbeständigkeit zu erhöhen. Eine niedrig legierte Stahlschicht wird durch atmosphärisches Plasmaspritzen (APS) in den Zylinderlaufbahnen aufgebracht.

Verbesserungen wurden auch an der Kühlanlage vorgenommen: Der Motor verfügt nun über drei getrennte Kühlmittelkreisläufe. Der erste soll die Zylinderköpfe möglichst schnell auf die optimale Betriebstemperatur bringen, um die bestmögliche Motorleistung und geringe Emissionen zu gewährleisten. Der zweite Kreislauf kühlt den Motorblock und das Ölsystem, der dritte die Turbolader. Jeder Kreislauf verfügt über eine eigene Wasserpumpe, was eine optimierte individuelle Steuerung ermöglicht.

Der W12 vereint eine Hochdruck-Direkteinspritzung (200 bar Einspritzdruck) mit einer Niederdruck-Saugrohreinspritzung (6 bar). Die Kombination dieser beiden Systeme erhöht die Laufruhe, senkt den Partikelausstoss und optimiert Leistung und Drehmoment.

Die Twin-Scroll-Turbolader sprechen schneller an und ermöglichen ein effizienteres Auspuffpaket. Die Auspuffanlagen für die drei vorderen und drei hinteren Zylinder sind voneinander getrennt und leiten die Abgase zu den Twin-Scroll-Laufrädern. Das Turboladergehäuse ist direkt am Auspuffkrümmer angeschweisst, und in den Turboladern sind Drehzahlsensoren integriert, damit die Turboleistung auf maximale Effizienz hin überwacht werden kann.

Unter bestimmten Bedingungen schaltet Bentleys Zylinderabschaltung eine Motorhälfte ab. Dabei werden Ein- und Auslassventile, Benzineinspritzung und Zündung von festgelegten Zylindern abgeschaltet, sodass der Motor zur Steigerung der Effizienz als Sechszylinder läuft. In diesem Modus läuft das System in den Gängen drei bis acht, bei Drehzahlen unter 3000 U/min und im Drehmomentbereich bis 300 Nm.

- ENDE –